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Schreiben mit Stift

Der kleine Löwenzahn und das üppige Grün


Da steht er, einsam und verlassen, der kleine, gelbe Löwenzahn.

Rund um ihn herum nichts als Grün. Dabei war er doch eigentlich ein geselliges Kerlchen, das sich gerne unter seinesgleichen aufhielt, gerne tratschte und lachte und mit seiner sonnigen Farbe den übrigen Pflanzen Freude bereitete.


Doch anscheinend hatte Gevatter Wind mit dem Löwenzahnsamen etwa anderes vorgehabt und sein kleines, luftiges Schirmchen mitten hinein in dieses unendliche Grün geblasen.

Der kleine, gelbe Löwenzahn fühlt sich wie ein Fremder. Viel zu gelb, viel zu zart, viel zu klein. Mit seiner duftenden Blüte und seinem langen Stiel hebt er sich schon sehr deutlich von dem zerzausten, üppigen Gesellen ab, der ihn umgibt.


Er hat keine Aussicht auf den restlichen Garten, keine Möglichkeit, über die grüne Barriere seines Nachbars zu schauen. Einzig der Blick in den blauen Himmel über ihm ist noch frei und gibt ihm Hoffnung. Wenn der Löwenzahn also sein leuchtendes Köpfchen in den Himmel hebt, dann ist die Welt in Ordnung, dann ist er glücklich. Doch schließlich kann er das ja nicht den ganzen langen Tag tun. Nur in den Himmel schauen, das wird sogar einem Löwenzahn irgendwann zu langweilig.

So beschließt er, das üppige Grün doch mal anzusprechen. Vorsichtig, mit dünner Stimme fragt er dieses seltsame, riesige Wesen: „Wer bist du? Ich wollte mich nur mal kurz vorstellen, da wir schon auf so engem Raum miteinander auskommen müssen. Hallo, ich bin hier unten! Hörst du mich?"„Natürlich höre ich dich“, brummt der Farn und wendet seine gerippten Blätter dem Löwenzahn zu. „Du machst ja Radau wie ein ganzes Beet. Wie schön, dass du dich endlich getraut hast, ein Schwätzchen mit mir zu halten. Rund um mich sind sonst nur meine Geschwister, genauso grün und genauso groß und genauso brummig wie ich. Das ist recht eintönig mit der Zeit.“ Der Löwenzahn macht große Augen und kann es gar nicht glauben. Dieses Grün ist ja gar nicht so abweisend und seltsam, wie er immer dachte. Ganz im Gegenteil, es scheint sogar froh über die Abwechslung zu sein!


Der kleine Löwenzahn besinnt sich also auf sein sonniges Naturell und schwatzt munter drauf los. Bald sind die beiden so unterschiedlichen Pflanzen in regem Austausch und tratschen und lachen, was das Zeug hält.

„Wie schön groß und grün du doch bist, lieber Farn“, meint der Löwenzahn.

„Wie schön klein und sonnengelb du doch bist, lieber Löwenzahn“, meint der Farn.

Und beide sind sich einig: Gegensätze ziehen sich an und machen die Welt größer, schöner und bunter.


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